Cevennen Frühjahr 2014

Sa.

Wie immer verlassen wir Basel nicht allzu früh. Das Wetter ist auch nicht besonders einladend am früheren Morgen. Zum Glück lässt der Regen dann aber spürbar nach und bis wir schliesslich fahrbereit sind, fällt nur noch leichter Regen. Der stört uns nicht gross, weil wir sicher sind, dass dies nicht sehr lange so bleiben wird. Erst noch aufgetankt und dann ab durchs Laufental über Delémont Richtung Jurahöhen. Nebel im JuraDort oben empfängt uns dichter Nebel. Somit kommen wir etwas langsamer voran als üblich, was aber nicht weiter schlimm ist. Die ziemlich tiefen Temperaturen stören da schon eher. In Saignelégier machen wir Zigaretten, Kaffee und Aufwärmpause. Danach, mit zusätzlichen Unterziehhandschuhen, weiter über La Chaux de Fonds und Le Locle zur Grenze und hinein nach Frankreich. Hier geht es nun längere Zeit bergab, sodass es bald etwas wärmer bzw. weniger kalt ist und der Nebel nun über uns ist statt um uns herum. In einer wunderschönen Schlucht legen wir einen kurzenJuraschlucht Zigarettenhalt ein und geben den Fingern die Möglichkeit, etwas auf zu tauen. So erwärmt fahren wir weiter über Pontarlier und weiter südwärts. Irgendwo im Nirgendwo legen wir nochmals ein Erfrischungs- bzw. Aufwärmpause ein. Interessanterweise ist dem Fahrer weniger kalt als der Beifahrerin im Seitenwagen! Noch etwa eine Stunde oder so geht es durch den südlichen Jura bis Thoirette, wo wir übernachten wollen. Das einzige Hotel im Ort ist aber gerade im Umbau, sodass wir da nicht bleiben können. Der Wirt nimmt sich aber viel Zeit und Mühe, um uns anderswo unterbringen zu können. So landen wir schliesslich in Arinthaud im Hotel de la Tour. Alles bestens hier; Zimmer, Essen, Parkraum in der Arkade. Was will man mehr.
Arinthaud Place de la Fontaine

So.

Erst mal tanken. Genauer gesagt, nach dem Frühstück. Dann geht's auf verschlungenen Wegen langsam Richtung Süden. An Lyon vorbei und immer der Rhone lang. Vorbei an Valance und bei Loriot schliesslich nach Westen in die Berge. Über Pässe mit Hauptstrassen sowie auch solchen mit Nebenstrassen. Sehr nebige Nebenstrassen. Zum Glück haben wir die Kälte des Nordens schon längst hinter uns. Schon im Rhonetal hatten wir uns der einen oder anderen wärmenden Utensilien entledigt. Hier in den Bergen der Ardèche ist es selbst zuoberst noch schön warm. Der Fahrer kommt aber nicht nur deswegen ins Schwitzen. Diese kurvenreichen Strässchen fordern vollen Körpereinsatz. Kurz vor Sieben erreichen wir schliesslich Chamborigaud. Unsere Unterkunft liegt zirka 4km ausser- und einiges oberhalb. Nach 14 Kehren auf einem sehr schmalen Weg endet die heutige Fahrt beim "Mas du Seigneur". Hier werden wir herzlichst empfangen und bekommen gleich ein Bier bzw. Wasser gereicht. Danach wird das hübsche Zimmer bezogen, in dem wir gut beschützt die nächsten Tage wohnen werden.
Zimmer mit Ritter Die Bettstatt mit BaBe

Mo.

Wir haben uns eine eher gemütliche Tour vorgenommen. Das erste Ziel ins Navi eingeben und überraschen lassen, wo es uns lang führt. Natürlich zuerst die 14 Kehren runter. Dann über wunderbare Strassen und Strässchen durch die Hügel der Cevennen bzw. Ardèche. Im malerischen Ort Banne machen wir Pause auf dem Dorfplatz. Immer noch ziemlich hoch über dem Tal. Aber wir müssen runter und nach Allon, wo wir für uns und das Motorrad etwas zu trinken besorgn. Dann geht es zum eigentlichen Tagesziel, der Gorge de l'Ardèche.
Felsentor zur Ardeche-SchluchtEin Naturschauspil sondergleichen. Wir halten oft inne, um uns die Schlucht immer wieder beeindrucken zu lassen.
Gorge de l' Ardèche
Gorge de l' ArdècheKurz vordem Ende gibt's dann noch Kaffee oder so, bevor wir uns langsam auf den Rückweg machen. Mit Unterbruch in Barjac, das wir uns auch ein wenig ansehen. Dann wird das "Mas" ins Navi eingegeben. Dessen Anweisungen wir zwei Mal nicht Folge leisten können wegen gesperrter Strassen. So kommen wir auch an Burg von Portesder Burg von Portes vorbei und landen schliesslich am Fusse der 14 Kehren. Und damit ja auch gleich "zu Hause".

Di.

Der Himmel ist bedeckt so weit das Auge reicht. Und so wird es wohl heute auch bleiben. Aber Regen soll es keinen geben. Wir ändern deshalb unsere Pläne und fahren Richtung Norden bzw. Villefort. Kurz vor dem Ort biegeen wir rechts ab und streben Les Vans zu. Eine herrliche Fahrt durch das Grenzgebiet Ardèche/Cévennes. verwinkelte Gassen in Les Vans In Les Vans machen wir Pause inklusive kleinem Rundgang. Danach geht es auf kleinsten Strässchen recht gemütlich Richtung Süden über Bordezac nach Bessèges,Cevennen pur wo wir wieder Kaffeepause machen. Von hier aus dann durch das Tal des Luech, das uns gestern des Unfalls wegen verwehrt war. Klein aber fein beschreibt es wohl recht gut. Und da es so klein bzw. kurz ist, sind wir schon bald in Chamborigaud. Hier stellen wir das Motorrad ab und spazieren durch den Ort. Zum Schluss noch ein Zvieri vom Bäcker, bevor wir die 14 Kehren in Angriff nehmen. Schon fast Routine beim dritten Mal. Wir ruhen uns etwas aus und begeben uns dann auf den gedeckten Sitzplatz, da es auf dem ungedeckten zu nass wäre. Das mit "kein Regen" hatte nämlich nur bis zirka sechs Uhr Abends gestimmt. Gut für uns, dass wir eine eher kurze Tour fuhren. Morgen soll es besser werden. Mal schauen.

Mi.

Vierzehn Kehren runter, auftanken und ab die Post. Bei leichtem Regen geht es Richtung Nord-West. Vorwiegend auf Nebenstrassen, deren Umgebung einen das Wetter vergessen lassen. Und prompt zeigt sich zwischendurch sogar die Sonne. In Florac gibt es dann erst mal eine Pause. Kaffee und Nikotin sowie Beine ausstrecken tun gut. Danach wenden wir uns Richtung Süden und zwar auf die Corniche des Cévennes. Eine wunderbare Strasse durch ebensolche Landschaft. Wir geniessen es auch ohne Sonne und bei kühlen Temperaturen. Man spürt eben die Höhe. Aber auch dies hat mal ein Ende und so landen wir in St. Jean du Gard, wo wir eine Erfrischungspause einlegen. Hier unten ist es wieder angenehm warm. Nur die Sonne ziert sich noch. Nach der Pause folgen wir den Anweisungen des Navi und fahren somit über den Col d' Ulas und einen weiteren Richtung unser Urlaubs-Zuhause. Teilweise auf sehr schmalen Strassen, teilweise auf "nur" schmalen und ganz selten auf solchen, die mit so etwas wie einer Mittellinie ausstaffiert sind. Zum Abschluss dann noch über eine Anhöhe im Walde auf ganz schmalem Strässchen. Erinnert an jenes hinauf zu unserer Unterkunft. Und kaum haben wir dies hinter uns, müssen wir schon wieder rauf. Die bekannten 14 Kehren. In der Zwischenzeit hat sich die Sonne endgültig durchgesetzt und wir geniessen den frühen Abend beim Lesen und Schreiben im Sonnenschein. Und bei etwas Kühlem für die Kehle.

Do.

Heute soll unser letzter Tag hier im Süden sein. Das Wetter ist fantastisch, sodass wir heute die Königsetappe fahren wollen. Erst mal geht es nach Alès, dann über Anduze, Ste. Hyppolyte und Ganges nach Le Vigan. Zwischendurch tanken wir noch auf. In Le Vigan sind dann wir beide dran, was das Tanken betrifft. Erfrischt machen wir uns aud den Weg hinauf zum Mont Aigoual. Unzählige Kurven in schönster Landschaft führen uns hinauf auf 1567 MüM. Das schöne Wetter erlaubt uns, bis zum Mittelmeer zuAigoual, Blick nach Süden
Aigoual, Blick nach Norden sehen, und auch die Alpen sind noch deutlich in der Ferne zu erkennen. Wir ruhen uns ein wenig aus und machen uns dann auf den Rückweg. PauseAllerdings nicht über Alès sondern erst nach Norden und dann kreuz und quer durch die Cevennen. Da und dort durch Umleitungen geleitet, meist jedoch durch’s Navi. Auf dem Weg vom Col de la Bögude nach Chamborigaud passiert es dann. Ein lauter Knall, ein Ausscheren des Motorrads nach rechts und ein seltsames B-lup, b.-lup, b-Lup. Der Reifen des Seitenwagens hat den Geist aufgegeben bzw. keine Luft mehr. Serge vom „Mas“ kommt uns zur Hilfe, sodass wir es schliesslich noch bis in den Ort schaffen. An eine Fahrt hinauf durch die 14 Kehren ist aber nicht zu denken. Serges Nachbar nimmt uns im Auto mit. Wie es weiter geht, werden wir morgen sehen.

Fr.

Während wir frühstücken hängt Serge am Telefon und findet schliesslich einen Motorradhändler, der uns helfen kann. Zumindest mit Reifen, nicht aber mit Arbeit. Das Nachbargeschäft könne aber Zeit aufwenden. Also lasse ich das Gespann vom Pannendienst nach Alès bringen. Dort sieht es dann aber wieder anders aus. Dem Nachbarn fehlen die Kenntnisse, aber dafür opfert sich der Motorradhändler, obwohl er eigentlich keine Zeit hat. Zu viele Aufträge sollen noch bis Abend erledigt sein. Mit viel Effort gelingt es aber, nicht nur die Reifen zu ersetzen, sondern auch den Defekt an der Seitenwagenaufhängung zu flicken. Dieser Defekt hatte wohl dazu geführt, dass der fast neue Reifen derart schnell abgefahren war. Die ganze Angelegenheit inkl. Waten auf den Abschlepper, Fahrt nach Alès, Warten auf Reparatur und Rückfahrt zum Mas kosten den ganzen Tag. Die beste aller Beifahrerinnen nimmt es gelassen beim Faulenzen, der Fahrer etwas weniger. Bis schliesslich klar ist, dass alles wieder stimmt an der Guzzi. Dann kümmern auch die 14 Kehren nicht.
14 Kehren

Sa.

So wird der letzte Ferientag zum Tag der langen Heimreise. Nichts ist mit Fahrt auf Nebenstrassen durch die Berge. Nun heisst es ab Richtung Autobahn und dann sozusagen immer geradeaus. Nach etwas über 10 Stunden haben wir die 674km hinter uns. Ging sogar besser als befürchtet. Aber Spass macht es ohne Autobahn halt schon eher. Nun denn, Hauptsache gesund und munter zurück. Vielleicht geht der nächste Urlaub mit dem Moto-Guzzi-Gespann ohne Zwischenfälle?