Alpen-Pässe-Tour CH / F / I (Juli 2007)


Von Basel geht's über den
Oberen Hauenstein (731 m.ü.M.) Richtung Solothurn. Von da weg so gerade wie möglich Richtung Süden, d.h. über Lyss, Murten, Frybourg (das schweizerische Freiburg, mit Kaffeepause), Vevey, Montreux nach Martigny im Wallis. In Montreux gelange ich in einen Verkehrsstau, der höchstwahrscheinlich auf das Jazz-Festivel zurückzuführen ist. Da wurde das warme Wetter schon fast zur Plage. Aber schliesslich gab' s wieder Fahrtwind, was mir und dem Motor Kühlung verschaffte. In Martigny biege ich ab Richtung Col de la Forclaz (1526). Auf der Passhöhe gibt's einen Kaffe. Dann runter und über den Col des Montets (1461) Richtung Chamonix und weiter nach Megève. Von da geht's hoch zum Col des Saisies (1650), wo eine Zigarette fällig ist. Ich besuche auch die Kapelle; einen ruhigen Ort gleich neben Kirmess-ähnlichen Anlagen. Der Col ist ein Ferienort mit viel Brimborium und wenig erkennbarer Gemütlichkeit. Auf der anderen Seite des Passes liegt Beaufort, ein hübsches Städtchen mit engen Gassen und teilweise in den Fels gehauenen Treppen zwischen mittelalterlich erscheinenden Gebäuden. Ein als „Platz“ bezeichneter Ort hat ungefähr die Grösse eines Wohnzimmers. Etwas ausserhalb finde ich einen schönen Campingplatz, wo ich mein Zelt aufschlage. Zum Nachtessen fahre ich zurück in den Ort, der übrigens für die Tour de France geschmückt scheint (Am Sonntag nach meiner Rückkehr sehe ich den Ort wieder im Fernsehen bei der Berichterstattung über die TdF). Ich esse Tartelette, eine Art Kartoffelgratin.
Entgegen der Wettervorhersage werde ich von einem Gewitter geweckt. Das schlechte Wetter hätte dort eigentlich erst ein bis zwei Tage später zurückkehren sollen. Eine Regenpause erlaubt es mir, vor dem Zelt Kaffe und Croissants zu geniessen, das Zelt abzuwischen um das Trocknen zu beschläunigen, und es dann sogar trocken einzupacken. So wie ich los fahre, beginnt es auch schon wieder zu regnen. Ich fahre über den
Cormet de Roseland (1968) nach Bourg St. Martin, wo mein Roller aufgetankt wird. Von dort geht es hoch nach Val d'Isère, das mit seinen Hochhäusern irgendwie nicht in diese Alpenwelt zu passen scheint. Ohne anzuhalten fahre ich weiter auf den Col de l'Iseran (2764). Unterwegs hat es viele Hobby-Radfahrer, die den Helden der TdF nacheifern. Und natürlich ist die Strasse übersäht mit den Schriftzügen eben dieser Helden. Oben ist es Zeit für einen Kaffe, bevor ich nach Modane und St. Michel runter fahre. Der Regen hat teilweise aufgehört und sogar die Strassen sind teilweise trocken. Auf den Col de la Télégraphe (1568) begleitet mich aber schon wieder Nieselregen. Ein guter Zeitpunkt, um mich auf dem Col mit einem Sandwich und Milchkaffe für die weitere Fahrt zu stärken. Danach geht's weiter zum Col du Galibier (2646) und über den Col du Lautaret (2058)zum Col d'Izoard (2360) und schliesslich über den Col de Vars (2109) ins Tal der Ubaye. Beim erst besten Camping-Platz schlage ich mein Zelt wieder auf. Die letzten Cols waren trocken und es scheint, als ob dies so bleiben würde. Im Buvette des Campings nehme ich Pizza. Ganz einfach, weil es nichts anderes hat. Ist mir auch recht. Ich bestelle sogar eine grosse und verputze sie ohne grosse Mühe. Zumindest Getränke hat es mehr als eines. . . .
Und wieder weckte mich der Regen, diesmal aber so, dass ich das Zelt nass einpacken musste. Ich hatte vor, über den Col de Restefond weiter zu fahren. Die Camping-Betreiber rieten mir aber zum
Col de la Cayolle (2296) als die bessere, weil sehenswertere Wahl. Ich folgte ihrem Rat und wurde sicher nicht enttäuscht. Der Cayolle liegt in einem Naturschutzgebiet und ist durch eine wilde Schlucht erreichbar. Eine sehr schmale Strasse, die aus lauter Flicken zu bestehen scheint, führt durch die Schlucht. Nichts für Eilige. Aber ich hatte ja Zeit. Nach der Schlucht wurde die Strasse besser. Durch ein Hochtal geht es schliesslich zum Col. Trotz Regen war es eine tolle Fahrt. Ich schien als Einziger unterwegs zu sein, wenn man von einem Wildhüter mal absieht. In der ersten Gaststätte auf dem Weg nach unten gibt es dann Frühstück. Um auf meine ursprünglich vorgesehen Route zurückzukommen, musste der Col Valberg (1673) dran glauben. In schier endlosen Kurvenfolgen windet sich die Strasse die steilen Hänge hinauf. Die Passhöhe ist ein Ski- und Wandergebiet. Kein sehr ansehlicher Ort, aber gut genug für eine Kaffepause. Es geht weiter über den Col de la Couillale (1678) nach St-Sauveur, von wo aus der Col St. Martin (1500) erreichbar ist. Die Änderung der Berglandschaft, die sich schon am Valberg angedeutet hatte, wird nun offensichtlich. Die Hänge sind viel steiler, als in den nördlicheren Alpentälern, und der Fels ist nun rötlich. Strasse und Ortschaften scheinen an den steilen Hänge zu kleben. Quasi ohne Unterbruch hat man auf der einen Seite der Strasse eine Felswand und auf der anderen den Abgrund. Eine fantastische Fahrt. Und von Stunde zu Stunde wärmer. Als Krönung dieser Seealpen-Pässe dann noch der Col de Turini (1604), der auch schon Teil der Ralleye Monte Carlo war. Auf meiner Karte war der Turini nicht mal als Col angegeben, was mich bei dieser Strasse doch ziemlich erstaunt hat. Zum Glück hatte ich diesen Weg trotzdem gewählt. Ich gönne mir eine längere Pause mit kaltem Getränk. Erstaunlicherweise ist auch hier ein Skigebiet angelegt. So weit im Süden und auf „nur“ 1600 Metern Höhe. Der Wirtesohn sagt mir, dass sie gut und gerne 70 cm Schnee hätten. Auf dem Weg hinunter Richtung Sospel leuchtet die Tank-Lampe auf. Ich mache mir keine Sorgen, denn ich habe 5 Liter in einem Kanister dabei. Trotzdem hoffe ich, nicht darauf zurückgreiffen zu müssen. Der Tank ist nicht so leicht zugänglich, da ich eine grosse Tasche auf dem Soziussitz mitführe. Dies macht das Tanken etwas umständlich. Nun denn, ich fahre flott weiter und erreiche Sospel ohne Probleme. Der Zähler der Tanksäule bleibt bei 17,1 Liter stehen. Der Tank fasst gemäss Werksangabe 17 Liter! Ich bin mit diesen 17.1 Litern tatsächlich 528km gefahren. 3.25 Liter auf 100km! Noch einen kleinen Umweg über den Col de Castillon (707) mit einer Pause in Castillon wegen Durst und Nikotinmangel. Zudem ist Castillon ein sehenswertes Städtchen. Dann geht's nur noch abwärts Richtung Mittelmeer. Bei Menton biege ich gleich ab Richtung Monte Carlo und gönne mir eine weitere Erfrischung am Yachthafen. Es ist sehr warm geworden. In Beaulieu, zwischen Nizza und Monte Carlo, finde ich ein kleines Hotel. Während ich am Strand spazieren und essen gehe, lasse ich das Zelt im Zimmer ausgebreitet trocknen.

Am nächsten Morgen fahre ich über die Grenze nach Italien. Schon bald verlasse ich die Küste und fahre in die Ligurischen Alpen. Zu viel Verkehr und Staus dem Meer entlang. Motor und ich brauchen Fahrtwind, was wir auf dem Weg Richtung Pigna bekommen. Dort lege ich eine kleine Pause ein bevor ich mich auf den Weg zum Colla di Langan (1127) mache. Kurz nach der Passhöhe zeigt ein Wegweiser nach rechts Richtung Monte Ceppi. Diese Strasse ist auf meiner Karte nicht eingetragen. Ich erwarte eine Sackgasse, werde jedoch nicht auf den Berg sondern rund um den Berg geführt. Auf halbem Weg ein kleiner Ort (Bajardo?) auf einem Bergrücken, auf dem höchsten Punkt die Ruinen einer romanischen Kirche. Der Ort ist sehr malerisch und verdient natürlich eine Pause meinerseits. Durch schmale Gassen, durch die selbst die Italiener nicht mehr fahren (!) gelange ich zur Ruine und geniesse die atemberaubende Aussicht auf Meer und Berge. Nach einer Cola auf der Piazza fahre ich auf dem „nicht existierenden“ Strässchen weiter. Es ist so schmal, dass ich froh bin, keinen Gegenverkehr zu haben. Ausser mit einem anderen Einspurfahrzeug hätte ich nicht kreuzen wollen! Es bleibt bei Null Gegenverkehr. Unterwegs sehe ich an einer wohl als Ausweichstelle gedachten Stelle vier Autos, die mit Planen verdeckt sind. Die eine Plane wurde wahrscheinlich vom Wind so weit abgehoben, dass ich darunter den glänzend roten Lack eines Fahrzeuges mit französichem Nummernschild erkennen konnte. Ob der Besitzer wohl weiss, wo sein Auto steht? Ich lasse die Frage unbeantwortet und komme schliesslich auf die Passstrasse zurück, die ich schon mal hochgefahren bin. Diesmal fahre ich aber so, wie ich ursprünglich geplant hatte nach Molini di Triora. Ab da wurde ich das Opfer entweder meiner Karte oder der Beschilderung der Strassen. Die Strasse, die mich nach Pieve die Teco führen sollte, endete ziemlich unerwartet, bzw. führte nur als unasphaltierter Feldweg weiter. Wobei Feldweg eine sehr grosszügige Bezeichnung ist. Geröllhalde trifft es schon eher. Ich versuchte mein Glück. Langsam fuhr ich die holprige Strasse hoch. Zum schlechten Zustand kam noch eine ziemliche Steigung hinzu. Doch mein Scarabeo spielte die Vorzüge seiner grossen Räder bravourös aus. Mit kleinen Rädern wäre wohl kein Durchkommen gewesen. Nach einer Weile begegnete ich einem jungen Mann (ein Schäfer?). Auf meine Frage, wann wieder Asphalt zu erwarten sei, meinte er schlicht, auf der anderen Seite. Irgendwann waren die restlichen ca. 6 Kilometer bis zur Passhöhe geschafft. Ein kurzer Tunnel „unterführt“ den Scheitelpunkt und ich hatte gehofft, auf der anderen Seite bessere Verhältnisse vorzufinden. Denkste! Ziemlich genau gleich weit ging es im fast schon gewohnten Stil bergab. Ich gönnte dem Motor eine Ruhepause und rollte ohne Motorunterstützung bergab. Kaum hatte ich wieder „festen Boden“ unter den Rädern, begann es zu regnen. Schwein gehabt, denn auf nassem Untergrund ohne Asphalt wäre es gefährlich geworden. Nach ein Paar Kilometern war es auch schon wieder vorbei mit dem Regen und ich konnte zügig Richtung Küste fahren. Ich fand schnell ein Hotel, mit Blick auf die Berge (!). Wie der Geröll-Pass hiess konnte ich nicht mehr ausfindig machen. Dafür aber gab es ein gutes Abendessen mit Meerefrüchten. (Es war der Colle del Garezzo. Dank den Bildern dazu auf alpenrouten.de fand ich es zu Hause dann doch noch 'raus.)
Schon Mittwoch. Der Wetterbericht für die zentralen Alpen hatte sich gebessert. Somit wurde dieser Tag zu einer Überführungsetappe vom Mittelmeer zu den Alpen. Richtung Nord und dann immer gerade aus, sozusagen. Bis zum Lago Maggiore und dann nach Osten zum Comersee. Etwas viel Verkehr in jener Gegend, aber die Fahrt dem Comersee entlang liess dies schnell vergessen. Auf dem Weg Richtung Splügenpass fand ich eine hübsche Herberge. Mit Unterstand für Zweiräder. Zimmer sehr gemütlich; es roch nach dem Holz der Möbel. Es waren noch zwei weitere Gäste dort. Aus Bayern, auf dem Nachhauseweg mit ihren Motorrädern. Da die Herberge keine Abendverpflegung anbot, bestellten wir Pizza vom Lieferdienst. Wir verbrachten einen genütlichen Abend bei Pizza, Bier, Wein und viel Benzingesprächen.
Nach dem Frühstück (das gab's) ging es weiter auf den
Splügen (2115). So etwa als ich die Grenze zur Schweiz erreichte, müssten die Bayern aufgestanden sein. Auf dem Splügen ist es sehr kühl, die Aussicht eher bescheiden. Mache nur eine Zigarettenpause. Dann runter nach Thusis und von dort rauf zum Julierpass (2284). Hier gibt's Kaffe bevor es weiter geht in's Engadin. Ich mache einen kurzen Besuch bei einer ehemaligen Arbeitskollegin, die jetzt am Flugplatz St-Moritz/Samedan arbeitet. Dann fahre ich über den Berninapass (2323) ins malerische Puschlav (Valle di Poschiavo). Und schon bin ich wieder in Italien, nachdem ich bei Tirano die Grenze passiere. Über Toglio komme ich zum Passo Aprica (1172), dessen Passhöhe ein Wintersportort ist. Runter nch Edolo und rauf zum Passo di Tonale (1883). Auch dies ein Skiort. Auch hier Kaffee. Runter nach Cles und über den Meldenpass (1363) Richtung Bozen. Ich lasse Bozen links liegen und fahre Richtung Auer, von wo aus eine Pass-ähnliche Strasse ins Val di Fiemme führt. Bei Pedrezzo finde ich einen ruhig gelegenen Campingplatz mit Restaurant. Erst jetzt bemerke ich, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr gegeseen hatte. Nach dem Zeltaufbau und einer erfrischenden Dusche gibt es Cottolatta Milanesi und Spaghetti. Dazu das obligate Bierchen. Oder zwei. Ich hoffte, das Wetter bleibe so, wie es den ganzen Tag war. Sonnig und warm, ohne Gewitter, damit ich das Zelt trocken einpacken kann.
Nach dem Frühstückk das Zelt trocken eingepackt! Dann über den
Passo di Valles (2033) Richtung Cortina. Irgendwo falsch gefahren und so über den Passo di Staulanza (1773), den Passo Duran (1601) eine kleine, unfreiwillige Rundreise gemacht. Schön war's trotzdem. Wieder bewusst über den Passo di Campolongo (1875) Richtung Bruneck und Brennerstrasse. Statt über den Brenner aber nach Westen über den Jaufenpass (2099) nach Meran. Jaufen ist sehr schön; zu sehen und zu fahren. Von Meran dann die lange Anfahrt Richtung Stilfserjoch. Unzählig die Kurven und Kehren bis auf 2758 Meter. Da es schon um sechs Uhr Abends ist, hat es sehr wenig Verkehr. Ich komme flott voran und trotzdem scheint es kein Ende zu nehmen. Die Erfrischung oben hatte ich mir redlich verdient. Vom Stilfserjoch kann mann dann zwischen zwei Talfahrten wählen. Die eine nach Bormio im Veltlin (Italien), die andere über eine Abzweigung zum Umbrail Pass , der (teilweise ohne Asphalt) ins Münstertal (Schweiz) führt. Die Veltliner Seite wird von den einen als Umbrail, von den anderen als Stelvio bezeichnet. Mein Weg führte mich ins Münstertal, wo ich in einem Hotel in St. Maria übernachtete. Der Roller in der 2-Rad-Garage! Ein 4-Gang-Menue rundete den gelungenen Tag ab.
Und schon ist wieder Samtag! Eine tolle Alpen-Tour über
Ofenpass (2149), Albula (2312), Oberalp (2044), Gotthard (2087), Nufenen (2478), Grimsel (2165) und Susten (2224) führt mich schliesslich auf die Autobahn Richtung Basel. Vor dem Jura verlasse ich die Autobahn, um noch als Zugabe, den Unteren Hauenstein (691) „mitzunehmen“. Nicht ohne einen Halt beim Restaurant zur Eisenbahn in Trimbach, einem weitherum bekannten Bikertreffpunkt. Schliesslich fahre ich im Schein der untergehenden Sonne Basel entgegen.
Übrigens hatte ich auf dem Oberalp einen Ostschweizer beim Kaffee getroffen, der statt Gotthard und Nufenen „nur“ die Furka machen wollte (mit seiner Kawa 1000). Auf dem Susten habe ich ihn wieder getroffen, als in einer kleinen Gesprächsrunde der schreckliche Unfall am Grimselpass diskutiert wurde (ich war an den Trümmern der beiden Motorräder vorbei gefahren). So klein können die grossen Alpen sein (man trifft sich unerwartet wieder) und so nah beisammen Freud und Leid (unsere Fahrfreude und der Tod der beiden Biker am Grimsel).
Hier noch das Ganze in Kurzform: 8 Tage, 2927km, 37 Pässe (richtig gezählt?), 3 Länder, 3.53 L/100km.