Alpentour Sommer 2008

Mi.

Auf geht's. Einmal mehr in die Alpen. Pläne habe ich keine. Irgendwie wird es sich ergeben. Erst mal über den Oberen Hauenstein ins Mittelland. Durchs Emmental nach Thun und von dort Richtung Gstaad. Im Simmental gibt's einen Mittagshalt direkt am Fluss. Verpflegung hatte ich kurz zuvor im Dorfladen besorgt. Dann weiter auf den Col du Pillon, einen der weniger bekannten Pässe in den Schweizer Alpen, der die Verbindung zwischen Berner
Oberland und Unterwallis herstellt. Auf der Passhöhe gibt's noch den obligaten Kaffee. Aussicht gibt es kaum, aber die Enge zwischen den Bergen hat auch ihren Reiz.

Die Talfahrt ist deutlich länger und kurvenreicher, allerdings mit vielen Baustellen. Von Aigle dann nach Martigny, wo ich noch zum günstigen CH-Preis tanke. Und mich zum weniger günstigen CH-Preis mit einer Cola erfrische. Statt wie auf meinen früheren Fahrten in die französischen Alpen über den Forclaz zu fahren, entschliesse ich mich für den Grossen St. Bernhard (Richtung Italien). Auf der Passhöhe hat's im Hospiz gerade noch ein Zimmer frei. Tagestouristen hat es praktisch keine (mehr?), sodass es ziemlich ruhig ist hier oben. Was ich geniesse.

Ich schau mich ein wenig um und komme doch tatsächlich noch zu einer Begegnung mit zwei der bekannten Hunde.

Nur das Fass hat gefehlt! Nach einer feinen Croute au Fromage (Käseschnitte) lese ich noch ein wenig und lege mich dann schlafen.

Do.

Kühle 5° und stahlblauer Himmel. Ich verlasse die Passhöhe, überquere die Landesgrenze und fahre Richtung Aosta.

Nach dem Grossen kommt nun der Kleine St. Bernhard dran. Unterwegs noch ein Blick auf den Mont Blanc. So klein ist der Kleine aber gar nicht. Immerhin liegt die Passhöhe auf 2144 M.ü.M.. Nach einer Erfrischungspause geht es weiter Richtung Bourg-St.-Maurice, um von dort den Col d'Iseran in Angriff zu nehmen.

Er ist einer der Höchsten der Alpen und dienst als Skigebiet von Val d'Isère. Im Winter nur mit einer Luftseilbahn erreichbar. Wieder gibt's eine kleine Pause, während der einige polnische Touristen in Oldtimern (oder neuen Wagen, die wie alt aussehen) auf den Parkplatz einbiegen.

Danach hinunter nach Lanslebourg, wo ich links abbiege, um den Mont-Cenis in Angriff zu nehmen. Eine wunderbare Fahrt, eine wunderbare Passhöhe mit einem grünblauen Stausee. Ideal für eine Kaffee- und Zigarettenpause.

Und schon bin ich wieder in Italien. Auch die Talfahrt ist eine Freude, von den vielen Baustellen mal abgesehen. Von Susa aus dann noch der letzte Pass für heute. Der Col de Montgenèvre führt mich nach Briançon, wo ich mir ein Hotel suche. Eine wunderschöne Altstadt hinter mächtigen Festungsmauern lädt zum Flanieren ein.



¨Uber der Stadt ein imposantes Fort. Sehr empfehlenswert, Briançon. Ist übrigens UNESCO-Welt-Kulturerbe.

Fr.

Schlecht geschlafen aber ich fühle mich trotzdem nicht müde. Nach dem Frühstück geht's auf zum Col d' Izoard. Wie sich herausstellt, ist der heute ab 09:00 für motorisierten Verkehr gesperrt. Gleich ausserhalb Briançons überhole ich hunderte Radfahrer, die von diesem „Radfahrer-Privileg“ profitieren wollen. Ein paar wenige Minuten vor „Torschluss“ passiere ich noch rechtzeitig die Absperrung. Unterwegs zur Passhöhe überhole ich nur wenige Frühaufsteher. Die Masse habe ich ja schon hinter mir. So wird die Fahrt zu einem wirklichen Erlebnis, da ich die Strasse fast für mich alleine habe.

Auf der Abfahrt nach Guillestre ebenfalls keine Autos, Camper oder Lastwagen. Allerdings nun erheblich mehr Radfahrer, die zudem nicht damit rechnen, dass noch vereinzelte Motorisierte unterwegs sein können. Vorsicht ist also geboten. Vor dem Anstieg zum Col de Var tanke ich das Fahrzeug noch auf. Auf dem Col dann mich selbst. Zwei Gruppen deutscher Biker warne ich noch vor der Sperrung des Izoard. Natürlich sind sie enttäuscht, dass sie ihre Pläne ändern müssen und dadurch einen Leckerbissen verpassen. Mich führt der Weg weiter nach Süden. Der Col de la Bonnette wartet. Mit 2715m einer der Höchsten der Alpen, mit seiner „Ehrenrunde“ um den Gipfel, die sogar auf 2860m führt, sogar der höchste Pass der Alpen mit asphaltierter Strasse.

Zwar alles Stein- und Geröllwüste, aber immerhin Rekordhalter. Die Fahrt auf den Col selbst führt jedoch durch schöne Landschaften auf enger aber guter Strasse. Ab der Passhöhe ist dann Nizza angeschrieben, wo ich allerdings nicht hin will. In St. Sauveur biege ich rechts ab zum Col de la Cuillotte

und weiter zum Col de Valberg. Wieder eine herrliche Fahrt durch ein enges Tal mit steilen Hängen.
Vom Valberg aus nehme ich die Nebenstrasse via Péone um nach Guillaumes zu kommen. Von dort aus geht's wieder Richtung Nord. In St. Martin

ist ein weiterer Halt fällig. Die ca. 30° machen durstig. Und wie ich so am Strassenrand im Schatten meine Cola geniesse, fährt eine Gruppe Holländer vorbei, die ich schon auf dem Bonnette und bei einem Halt in Sauveur getroffen hatte. Auf engsten Strassen geht es weiter zu Col des Champs.

Welche Pracht. Mächtig thronen Felsen über der ganzen Strecke bis hinauf zum Col. Auf der anderen Seite geht es weiterhin eng zu und her bis hinunter nach Colmars.


Der Col d' Allos führt mich schliesslich nach Barcelonette. Auch dies eine enge Strasse. An gewissen Vormittagen ist dieser Pass für motorisierten Verkehr gesperrt. Es ist sehr windig geworden und mehr und mehr Wolken zieren den Himmel. In Barcelonette suche ich ein Zimmer und kaum habe ich geduscht und überlege, ob ich ins Zentrum spazieren soll, geht es los mit Blitz und Donner. Und natürlich Regen.

Sa.

Der Regen, und mit ihm die meisten Wolken, hat sich verzogen. Nach dem Frühstück geht's talwärts Richtung Gap. Am Lac de Serre-Ponçon mache ich einen kleinen Umweg über einen kleinen Berg mit schöner Aussicht auf den (Stau-) See.


Auf der andren Seite dann weiter Richtung Westen, durch Gap hindurch bis Montmaur. Hier in diesem verschlafenen, hübschen Ort gibt es eine Kaffeepause. Danach über den Col de Festre zum Col d' Orlon. Auf der Passhöhe wieder Kaffeepause. Es ist etwas windig, aber immerhin noch sonnig. Auf der herrlichen Fahrt Richtung Corps halte ich bei einem liegen gebliebenen Auto an. Eine Frau mit drei Kindern kann das Reserverad nicht lösen. Zum Glück habe ich Werkzeug dabei und kann das Rad unter dem Kofferraum hervor holen. Es stellt sich aber heraus, dass sie keinen Wagenheber dabei hat. Ich natürlich auch nicht. So bleibt ihr nichts anderes übrig, als einen Pannendienst anzufordern. Ich zeige ihr noch auf meiner Karte, wo sie sich gerade befindet, denn sie selbst hat keine Ahnung. Während sie telefoniert verabschiede ich mich und fahre weiter. Immer nach Norden bis zum Fusse der Alp d' Huez. Die 21 Serpentinen hinauf wimmelt es von Radfahrern. Hätte mich auch verwundert, wenn es nicht so wäre. Der Ort Alp d' Huez ist eine Katastrophe.

Sieht aus wie in der Grossstadt. Zurück hinunter zur Hauptstrasse wähle ich den Weg über den Col de Sarenne. Tempolimit 20 auf einer sehr schmalen, sehr holprigen, sehr gesplitteten Strasse. Aber das Drumherum ist es allemal Wert. Schönste Alpenwelt wie man sie sonst fast nur beim Wandern erlebt. Und Blitzer hat's ja keine dort oben!

Allerdings die ersten Wolken, die auf kommende Blitze hinweisen. Auf der Hauptstrasse fahre ich Richtung Osten den Col de lautaret hoch. Viel Verkehr hier. Aber ich komme zügig voran bzw. Daran vorbei. Die ersten Tropfen fallen. Auf dem lautaret halte ich nur kurz, um alle Schoten dicht zu machen und die luftigen Handschuhe gegen wasserdicht zu tauschen. Dann weiter von der Passhöhe des lautaret hinauf zum Galibier.



Auf trockener Strasse. Oben ist es merklich kühl und der Regen holt mich ein. Also runter Richtung Valloire und weiter zum Col de la Télégraphe. Dort brennst mich der Hunger und ich halte um etwas kleines zu essen. Dabei holt mich der Regen wieder ein. Ja sogar Hagel fällt, während ich unter dem Vordach des Bistrots genüsslich mein Sandwich verspeise. Bei nur noch leichtem Regen setze ich meine Fahrt fort hinunter nach St.Maurice und weiter nach La Chambre, wo ich mir ein solches suche. Und finde. Das Hotel liegt mitten im Ort direkt bei der Abzweigung zum Col de la Madeleine. Aber der muss bis morgen warten.
Den Abend verbringe ich mit einem Berner, der mit seiner Harley unterwegs ist. Nachdem er schlafen geht, schliesse ich mich für einen Schlummertrunk einer badischen „BMW-Gruppe“ an. Alle sind des Wetters wegen hier abgestiegen.

So.

Strahlender Himmel, wie ich die Fensterläden öffne. Also schnell frühstücken und ab auf die Piste. Die Kollegen vom Vorabend sind alle schon weg. Trotz Sonntag hat es (noch) wenig Verkehr. Entsprechend komme ich flott voran. Auf dem Col de la Madeleine treffe ich die Badener wieder; sie sind gerade beim Aufbrechen. Ich geniesse die Aussicht, unter anderem auch auf den Mont Blanc. Nehme ich zumindest an.

Bald geht es runter und dort nach Bourg.-St.-Maurice. Diesmal geht's von dort weder auf den Iseran noch den Kleinen St. Bernhard, sondern nach Norden auf den Cormet de Roseland.

Auf der Passhöhe mache ich nur kurz Halt, dafür weiter unten an einem See.

Und noch immer Prachtswetter. Als nächstes der Col des Saisies und der Col des Aravis. Sonntag, das tolle Wetter und die Nähe zu Städten wie Annecy und Genf machen sich hier bemerkbar. Es wimmelt von Ausflüglern. Ich esse 'was Kleines bevor ich mich weiter Richtung Norden „durch kämpfe“. Col de la Colombière und weitere kleine Cols führen mich schliesslich an den Genfersee, wo es nordwärts nicht mehr weiter geht. Ausser man hätte ein Boot. In Ermangelung eines solchen fahre ich nach Evian und von dort Richtung Süd ins Vallée d' Abondance. In Vacheresse ist Schluss für heute. Es war ein langer Tag, immerhin 480km, und zum Schluss zu viel Verkehr, Dorffeste, Umleitungen etc. Im kleinen 1-Stern Hotel bin ich der einzige Gast, was mich aber nicht stört. Ich kann die Ruhe gebrauchen, lese wiederum etwas und gehe früh schlafen.

Mo.

Was für ein Tag. Schon um 08:00 fahre ich los. Zuerst zwei kleine Pässe Richtung Chamonix, wo es nur einen Photohalt gibt.


Etwas ausserhalb dann einen Kaffeehalt. Dann weiter über zwei weitere Pässe zurück in die Schweiz. Mit Kaffeehalt auf dem Col de la Forclaz. Unten im Wallis geht's auf die Autobahn Richtung Brig und Simplonpass. Den Simplon muss man nicht gefahren haben des Fahrens wegen. Ist beinah eine Schnellstrasse. Aber die Aussicht oben ist herrlich. Runter (nach Italien) und schon bald links ab ins Val Vigezzo, das mich ins schweizerische Centovalli führt. Um Santa Maria mit seiner imposanten Kirche

fallen einige wenige Tropfen. Die Fahrt Richtung Locarno ist wirklich schön; zum Fahren wie zum Schauen. Je näher ich Locarno komme, desto mehr Verkehr hat es. Und heiss ist es auch geworden. ¨Uber 30°. Locarno unterfahre ich im Autostrassentunnel. Je weiter drin im Tunnel, desto wärmer wird es. 36° sind es schliesslich. Durch die Magadino-Ebene hat es enorm viel Verkehr. Teilweise Stop-n-Go. Ich schummle und fahre auf der Radspur an den Kolonnen vorbei. Zudem tanke ich wieder mal zum CH-Preis. Ab Bellinzona ist dann Schluss mit dem vielen Verkehr, bzw. Der Verkehr ist auf der Autobahn und ich auf der Regionalstrasse, d.h. Auf der alten Passstrasse. Ein Traum. Frei Fahrt wie man es sich immer wünschte. Ab Mesocco beginnt der eigentliche Aufstieg zum San Bernardino. Ein wahrer Leckerbissen für Pässefahrer. Und eine Passhöhe wie aus dem Bilderbuch:


Altes Hospiz, Bergsee, Fahnen, Berge rundherum, Postauto. Und der Kaffee kostet tatsächlich nur drei Franken. Nach der Pause hinunter nach Splügen, wo ich Richtung Splügen abbiege. Auf der Passhöhe die grenze zu Italien, auf der Fahrt hinunter leichter Regen. Es riecht nach Gewitter, bleibt aber bei einem kurzen Schauer. In Campodocino finde ich ein wunderbares, günstiges Hotel. Mit Bike-Garage.

Di.

Etwas später als gestern stehe ich auf. Frühstück auf der Terrasse. Die ersten Biker sind schon unterwegs zum Splügen. Teilweise von weitem und noch lange hörbar. Schon bald bin auch ich unterwegs, allerdings in die andere Richtung. In Chiavenne geht's links ab und schon bald bin ich wieder in der Schweiz und fahre den Malojapass hoch.

Da ich noch nicht lange unterwegs bin, gibt es nur einen kurzen Halt ohne Kaffee. Von da an geht's bergab über St. Moritz, Zernez und durchs ganze Engadin bis ans andere Ende.

Das Oberengadin ist ziemlich eben, das Unterengadin jedoch steil abfallend. Fährt sich wie eine Passstrasse. Schliesslich komme ich an der österreichischen Grenze an, um gleich danach nach links Richtung Samnaun abzubiegen. Das Samnauntal ist ein Teil der Schweiz, ist aber auf der Strasse nur über Oesterreich erreichbar. Dieser Lage wegen ist es ein Zollfrei-Gebiet und zieht entsprechend viele Touristen an. Benzin z.B. gibts's für € 1.06. Ich mache eine längere Pause und schaue dem Shopping-Wahnsinn zu. Busladungen voller Einkaufswütiger strömen durchs Dorf. Na ja, ganz entziehen kann ich mich dem auch nicht. Ich tanke auf und kaufe eine Stange Zigaretten. Auf dem selben Weg, den ich gekommen bin, fahre ich zurück zur Grenze. Eine ungewöhnliche Strasse mit einigen sehr schmalen Tunnels ohne Beleuchtung und alle mit einer Kurve um nicht zu sagen Ecke drin. Kreuzen unmöglich. Hupen vor der Einfahrt bzw. Hinhören, ob am anderen Ende gehupt wurde. Und ganz langsam fahren. Statt zurück ins Engadin fahre ich den Reschenpass hoch Richtung Meran und damit wieder nach Italien. Zum Fahren nichts besonderes, aber eine hübsche Gegend. Und entgegen anderen österreichischen Pässen ist er Maut-frei. Auf der Talfahrt einige Regentropfen, aus den aber nichts „Gescheites“ wird, was mir natürlich recht ist. Noch immer in Italien halte ich inne für einen Espresso bevor es weiter geht ins Münstertal und damit wieder in die Schweiz. Von dort über den Ofenpass zurück ins Engadin und gleich weiter über die Flüela Richtung Davos.

Auf der Flüela wie gewohnt eine Pause. Von Davos, dieser Stadt in den Bergen, fahre ich Richtung Tiefenkastel, Thusis und dann das Hinterrheintal abwärts, um das Vorderrheintal aufwärts zu fahren. Ich wähle den Weg südlich der Rheinschlucht, da dieser viel reizvoller ist, als der nördliche über Flims/Laax.

Ab Ilanz gibt's dann nur noch eine Möglichkeit, zum Oberalp zu kommen. Aber so weit will ich nicht mehr. Ich halte Ausschau nach einem Hotel und werde in Truns fündig.

Zimmer günstig, Essen auch und das ist vor allem noch absolute Spitzenklasse. Und, so ganz nebenbei, Garage hat's auch.

Mi.

Auch das Frühstück braucht keinen Vergleich zu scheuen. Das Casa Toedi kann ich wirklich nur empfehlen. Trotzdem will ich weiter. Oberalp, Furka,


Grimsel,

Susten warten.

Die letzteren drei werden gerne als Alpenklassiker bezeichnet und werden gerne auch an Ein-Tagesausflügen „gemacht“, da sich daraus eine Rundreise ergibt. Verkehr hat es heute fast keinen, auf allen Passhöhen aber doch eine schöne Anzahl Bikes. Und einmal mehr schönes Wetter und warm. Sehr warm. Nach dem Klassiker beschliesse ich, noch den Klausenpass ins Glarnerland zu fahren.

Dessen Strasse ist teilweise ziemlich schmal und unübersichtlich. Aber ohne viel Verkehr ist er toll zu fahren. Was heute zutrifft. Auf der Passhöhe noch einen Kaffeehalt.

Dann runter nach Glarus, kurz aufgetankt, damit es sicher reicht bis nach Hause, und ab auf die Autobahn. Kurz vor Basel noch ein Stau, durch den ich mich einigermassen elegant durchschlängeln kann. Als ich in der Tiefgarage den Motor ausschalte, sind 2930km mehr auf dem Zähler als bei meiner Abfahrt.