Frankreich 2009

Samstag

Grenzfall

Um Mittag verlasse ich Basel in süwestlicher Richtung.

Ich wähle die internationale Strasse durchs Tal der Lützel, um Richtung Pruntrut zu kommen. Es ist kühl aber trocken. Die Fahrt auf dieser Strasse, die mal auf Schweizer, mal auf französischem Boden verläuft, ist wie immer ein Genuss. Vom Pruntruterzipfel geht's dann über den Col de la Croix in den Clos du Doubs bei St. Ursanne und dann immer dem Fluss entlang bis St. Hippolyte. Hier gönne ich mir eine Pause. Kaffee, Sandwich und Zigarette sind fällig. Danach nochmals in die Schweiz nach La Chaux de Fonds, wo ich noch ein letztes Mal zum günstigen CH-Preis tanke. Über Le Locle weiter und wiederum nach Frankreich. FÜr die nÄchsten Tage werde ich Frankreich nicht mehr verlassen. Wieviele es werden, weiss ich noch nicht. Durch den franzÖsischen Jura fahre ich weiter nach Pontarlier, von wo aus ich mich Richtung SÜd-SÜdwest halte. Kurz vor Champagnole wirbt eine Tafel fÜr ein mittelalterliches Städtchen.
Stadttor Nozeroy
Es ist zwar noch nicht sehr spät, aber ich beschliesse, dorthin zu fahren und zu sehen, ob es eine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Ja, gerade noch ein Hotel hat es. Mehr brauch ich ja nicht und kaum habe ich mein Zimmer bezogen, beginnt es zu regnen. Ein hübsches, verschlafenes Städtchen, dieses Nozeroy. Fast ausgestorben. Aber mit einer schönen, schlichten Kirche aus dem 15. Jahrhundert, Teilen einer Stadtmauer inklusive Stadttor und den spärlichen Ruinen einer Burg.
Garten ob der Stadtmauer
Viele Häuser sind zu verkaufen; sogar das kleine Hotel. Nozeroy soll gemäss einer Informationstafel auf dem Hauptplatz die kleinste Stadt Frankreichs sein. Ich zweifle nicht daran.

Sonntag

Umleitungen

Gut und lange geschlafen, reichlich gefrühstückt, gepackt und schon bin ich wieder unterwegs. Mein Weg führt mich durch den südlichen Teil des frantösischen Juras. Ein Sommer-Langlauf-Wettbewerb zwingt mich zu einem kleinen Umweg, aber schon bald führen mich die Schilder zurück auf meinen Weg nach St. Claude. Nach einer Zigarettenpause geht es weiter bis der Grossraum Lyon zu nahe kommt. Also abgedreht nach Westen bis in die Hügel ennet der Saone. Auf diesem Weg grüsst mich von überall der Beaujolais. Und immer wieder Umleitungen. Bauarbeiten, Dorffeste. Reben soweit das Auge reicht. Schliesslich beginnt am späteren Nachmittag die Suche nach einer Unterkunft. Hotels hat es keine bzw. sind nicht mehr in Betrieb, Fremdenzimmer sind besetzt, in St. Etienne die Preise zu hoch, sodass ich schliesslich in Firminy lande, etwas ausserhalb von St. Etienne. Hier finde ich ein bezahlbares, einfaches Hotel. Ansonsten hat dieser Ort nichts zu bieten. Bei einem Abendspaziergang bekomme ich den Eindruck, der einzige Europäer zu sein. An der Verpflegungsfront sieht es ähnlich aus. Ein Kebab-Teller ist die Folge davon.

Montag

Loire

Ich fahre ein Stück weit zurück Richtung St. Etienne, um von jener Gegend dem Lauf der Loire zu folgen. Nicht die Region der berühmten Schlösser, aber ein Traum von Landschaft. die Loire bei Retournac
Enge Schluchten im Wechsel mit weitem Tal. Etwas abseits der Ort Rozier, dessen Bild hier stellvertretend für all die herrlichen Orte mit ihren Bruchsteinbauten stehen soll.
Kirchplatz Rozier. Brunnen mit Handpumpe
Ich folge der Loire bis Le Puy, dessen Kapelle Saint Michel d'Aiguilhe aus dem 10. Jahrhundert schon von weitem auf sich aufmerksam macht.
Saint Michel d'Aiguilhe
Eine hübschte Altstadt lädt zu einem Bummel und Kaffe ein. Den Aufstieg zur Kapelle erspare ich mir allerdings. Dann soll es weiter Richtung Monistrol gehen, was nicht ganz ohne Probleme ist. Die Beschilderung hilft höchstens den Einheimischen und die können nicht Auskunft geben. Schliesslich finde ich den Weg und mich selbst auf einer herrlich schönen Strasse, die in vielen Kurven durch diese prächtige Landschaft führt. Immer wieder Ortschaften, die einerseits zum Anhalten einladen, andererseits dadurch aber meinen Weg zeitlich zu sehr in die Länge ziehen würden. In Sauges mache ich dann doch Halt. Der Tour des Anglais
Tour des Anglais, 12. Jh.
zwingt mich quasi dazu. Leider ist er geschlossen, aber sein Anblick an sich war den Halt schon Wert. für die Weiterfahrt wende ich mich wieder südwärts. über windige Höhen und von Umleitungen teilweise zur Rundfahrt gezwungen, aber auch mit herrlichen Bildern belohnt
in der Nähe von Sauges
zwei Klassiker im Niemandsland

gelange ich schliesslich zum Lac de Naussac. Ruhig der See auf der einen Seite der Staumauer, etwas weniger ruhig das Druckwasser auf der anderen Seite


Von Langogne aus ist dann Schluss mit kreuz und quer. Immer Richtung süd ist die Devise. Ich beende die Fahrt für diesen Tag in Villefort,

einem Ort, bei dem nicht ganz klar ist, ob die besten Zeiten noch kommen oder ob sie schon vorbei sind.


Dienstag

Sevennen-Acht

Lange geschlafen. Es ist schon halb Neun, als ich aufstehe. Schnell geduscht und ab zum Frühstück. Neben einem Croissant wartet auch ein ganzes Baguette auf mich. Ich nehme mir Zeit und verdrücke alles, obwohl diese Menge eigentlich für zwei gereicht hätte. So gestärkt fahre ich weiter auf meinem Weg

über Ales nach St. Hippolyte (nicht dem gleichen, wie am ersten Tag). Dort lege ich eine längere Pause ein und geniesse das Treiben auf dem Dorfplatz. Sogar zwei Motorräder mit BS-Nummernschildern sehe ich, allerdings erst, als sie wegfahren. Auch für mich wird es dann Zeit, weiter zu kommen. Ich habe mir den Mont Aigoual vorgenommen. Vier Strassen aus vier verschiedenen Richtungen führen hinauf. In einer grossen Acht will ich alle vier befahren. Von Ganges aus geht es das erste Mal hoch. Kurvenreich in einer prächtigen Landschaft.

Oben angekommen frage ich mich, ob es eine gute Idee war, unterwegs eine Schicht Oberbekleidung abzulegen. Hier oben

weht ein kalter Wind, aber die Aussicht ist fantastisch.

Einfach alle Luken dicht halten, dann geht's. Bis zum Mittelmeer kann ich sehen, aber die Alpen verstecken sich im Dunst. Ein Blick zurück auf den Weg nach oben zeigt die herrliche Strassenführung

Schliesslich fahre ich weiter Richtung Meyrueis, auf die Causse Méjean und runter nach Florac.Von dort wieder hinauf auf den Aigoual, wo ich auch beim zweiten Mal eine Pause einlege. Ich statte der Meteo-Ausstellung einen Besuch ab, bevor ich die letzte Aigoual-Strasse nach Le Vigan hinunter fahre. Seit über hundert Jahren werden hier Wetterdaten gesammelt. Es soll die letzte frantösische, bemannte Bergstation sein. Die Fahrt hinunter ist dann erstmal unerfreulich wegen des vielen Rollsplits. Danach wird es etwas besser bis der letzte Teil dann mit bestem Belag und vielen Kurven für die Unbill weiter oben entschädigt. In Le Vilan mache ich mich auf die Suche nach einem Hotel und finde ein * Zentrums nah. Zwar sehr bescheiden, aber sauber. Etwas augefrischt spaziere ich dann ins Zentrum zu einem Apéro und später einer Pizza Cévennois auf dem Hauptplatz. Angenehme 25 Grad. Um sieben Uhr Abends.

Mittwoch

grosse Werke

Ausnahmsweise ist es leicht, den Weg aus der Stadt zu finden. Mein erstes Etappenziel ist schon früh angeschriebn auf meinem Weg Die Fahrt geht gen süd durch verschlafene Dörfer in einer eher kargen Landschaft. Schon bald bin ich über dem Cirque de Navacelles.

Was für ein Anblick. In Jahrmillionen hat der Fluss diese Schlucht und diesen "Cirque" aus den Fels gewaschen. Gut erkennbar auch, dass der Fluss seine Richtung irgendwann mal geändert hat, sodass der Hügel mitten im Cirque stehen blieb.

Das Ganze bietet herrlichste Aussichten von oben wie von unten. Ein Meisterwerk der Natur.
Aber nicht nur die Natur hat Meisterwerke geschaffen in dieser Gegend. Eines von Menschenhand ist mein nächstes Ziel. Der Weg dorthin führt mich unter anderem durch Le Caylar, wo ich während meiner Pause die Schnitzkunst auf dem Dorfplatz bestaunen kann

Dann weiter nach Norden bis Millau. Schon bei der Fahrt vom Plateau ins Tal eröffnet sich eine Aussicht, die seinesgleichen sucht; die Sicht auf den Viaduc de Millau, der das ganze Tal von einem Plateau zum anderen überspannt.

Erst vor wenigen Jahren nach dreijähriger Bauzeit eröffnet, ist es die höchste Brücke ihrer Art. Eine Hängebrücke deren Fahrbahn bis zu 250 Meter über dem Talboden ein wichtiges TeilStück der Autobahnverbindung Paris- Montpellier- Barcelona darstellt.

Nicht nur technisch ein Meisterwerk, sondern auch architektonisch.
Doch der grossen Werke nicht genug. Aber erst folge ich dem Fluss Tran bis zur Gorge de la Jonte.

Was für eine Fahrt, was für eine Landschaft! Die Felsen, die den Rand der Schlucht bilden, wirken teilweise wie Säulen.

Diese Schlucht führt mich bis Meyrueis, wo ich gestern schon vorbei kam. Dieses Mal wähle ich den Weg über den Col de Perjunet um nach Florac zu gelangen. Hier mache ich eine längere Pause, um mich zu erfrischen und zu stärken. Mit neuem Elan fahre ich dann durch die Corniche des Cévennes. Zuerst eine quasi-Hochgeschwindigkeitsstrecke, die in weiten Kurven nach südosten führt, gefolgt von engeren Kurven und einigem an Gefälle hinunter Richtung Anduze. Ein wirkliches Highlight in den Sevennen. Weniger spektakulär geht's dann weiter nach Nimes und von dort zum letzten grossen Werk für heute, der Pont du Gard.

Wer genau hinschaut, kann erkennen, das die unterste Brückenebene in zwei Teilen gebaut wurde, also praktisch zwei Brücken aneinander. Die rechte wurde erst später für den Personenverkehr angebaut. Der Aquädukt an sich ist wirklich ein Meisterwerk römischer Baukunst.

Donnerstag

eben eben

Heute ist ein fahrerisch unspektakulärer Tag vorgesehen. Die Camarque ist angesagt und die ist eben eben und nicht gerade bekannt für kurvige Bergstrecken. Doch zumindest auf dem Weg dorthin gibt's als Zückerchen noch die Chaine des Alpille. Klein aber fein. Danach flach abwechselnd mit topfeben. Und ziemlig windig, was nicht alle stört:

So fahre ich nach Port St. Louis an den Strand. Dieser liegt gleich neben der Rhonemündung. Zum Baden ist es zu kalt bzw. zu windig. Der Strand fast leer. Nur einige Autos und Camper. Ich verzichte auf die Fahrt über den Strand (es ist erlaubt) sondern spaziere die wenigen Meter zu Fuss bis ans Meer. Einrichtungen wie Strand-Disco und Beach-Volley-Spielfelder lassen erahnen, dass es hier nicht immer so ruhig ist.
Nun aber auf zum Naturschutzgeniet. Dazu muss ich die Rhone überqueren,

was mir einen schönen Blick Richtung Rhonemündung ermöglicht.

Die überfahrt ist kurz und schon bin ich in der Camarque. Eine seltsame schönheit prägt dieses Gebiet. Wasser, Sumpf und Land wechseln sich ab, Reisfelder und Brache, Grass und Gebüsch. Und alles eben topfeben, die Strassen bolzengerade.

In den "Etangs", den Lagunen, wimmelt es von Vögeln und auf den Weiden von Pferden. Bei den Pferden ist "wimmeln" zwar übertrieben, aber es hat doch einige.

Trotzdem zieht es mich weiter. Wiederum über Arles und St. Remy, vorbei an Sonnenblumenfelder,

fahre ich Richtung Osten. Nach etlichen Kilometern, teilweise durch prächtige Aleen,

ändere ich die allgemeine Richtung auf Nord. Eine schöne Strecke (endlich mal wieder kurvig und Hügelig) fürt mich nach Apt und von dort nach Rustrel. Dort lockt eine schöne Auberge zum Beenden der Fahrt. Aber niemand zuhause! Im Café gegenüber warte ich auf die rückkehr des Wirtes bei einem Espresso. Schliesslich hat das Warten ein Ende und ich kann ein Zimmer beziehen. Schnell geduscht und zurück ins Café gegenüber. Diesmal zum Apéro. Obwohl es den ganzen Tag nie richtig heiss war, kann ich im T-Shirt draussen sitzen und später auch essen. Danach schaue ich der männlichen Dorfhälfte beim Pétanque-Spiel zu. Kein Schicki-Micki- Spielfeld, sondern ein Parkplatz ohne Asphalt. Teilweise sogar mit Gefälle.

Freitag

Provence

Heute soll es etwas weniger flach zu und her gehen. Ich fahre von Rustrel also weiter Richtung Norden. Schon bald ist das erste Etappenziel in der Ferne erkennbar.

Kahl sticht der Mont Ventoux aus allen anderen Erhebungen hervor. Die Gegend hier bietet ein traumhaftes Farbenspiel. Gewürz- und andere Felder wechseln sich ab. Grün, dunkelviollet, braun, lila, gelb. In loser Reihenfolge. Kaum beginnt nach Sault der Anstieg zum Ventoux sind auch schon die ersten Radfahrer "im Weg". Die von der Tour de France bekannten Berge und Pässe locken immer wieder begeisterte "Gümmeler", um es ihren Vorbildern nachzumachen. für den motorisiert Reisenden kann dies manchmal etwas lästig werden. Vor allem, wenn mehr als zwei Velos nebeneinander fahren. Dann wird's eng, auch mit dem Motorrad. Einige Radfahrer werden mit Autos begleitet, die in gebührendem Abstand hinterher fahren. Ansonsten hat es kaum Verkehr. Keine Busse und Holländer (Anhängerverbot), die einen ausbremsen. Die letzten paar Hundert Höhenmeter führt man dann in einer

Steinwüste. Fast weisse Steine, die die Hitze noch zu reflektieren scheinen. Heute nicht so schlimm, da es teilweise bewölkt und eher kühl ist. Auf dem Gipfel emsiges Treiben. Wer ohne Velo ist, fällt auf. Die Holländer (mit den Fahrrädern) scheinen in der überzahl.
Nach einer Erfrischungspause geht es auf der anderen Seite wieder runter. Von Malaucene fahre ich ins Tal des Toulouranc., wo ich nach kurvenreicher Fahrt in

Montbrun eine Pause einlege. Ein hübschtes Dorf, das am Berge zu kleben scheint. Bis zum Stadttor kann ich fahren.

Dann wird es zu eng und holperig, da viele Gassen eigentliche Treppen sind. Neben dem Tor übrigens ein dreiteiliger Brunnen, der dem Anschein nach früher dem Wäschewaschen diente. Von der Terasse bzw. dem Dorfplatz geniesse ich die Aussicht in die noch immer farbenprächtige Provence.

Kein Wunder haben immer wieder Künstler diese Gegend aufgesucht. Hier gibt es Inspiration vom Grössten aller. Selbst bei Regen, wie das obige Bild zeigt.
Dieser hat mich auf meiner Weiterfahrt gen Osten dann erwischt, nachdem die Wolken am Horizont von Minute zu Minute dunkler wurden. Das Gewitter hat mich dann mehr oder weniger heftig bis zum nächsten Tagesziel begleitet, der Gorge du Verdon oder wie es bei Michelin heisst: Grand Canyon de Verdon.

Ich wähle die südliche Strasse durch die Schlucht. Der immer wieder einsetzende Regen stört hier nicht. Wer will da schon möglichst schnell durch? Die Aussichten, die dieses Naturmonument bietet, sind atemberaubend.

Mehrere Male "muss" ich anhalten um zu staunen.
Nach diesem Schauspiel wird es Zeit, langsam aber sicher nach Unterkunft Ausschau zu halten. In Callas werde ich schliesslich fündig. Der Parkplatz vor dem Hotel de France (eigentlich der Dorfplatz) muss ab fünf Uhr in der Früh für den Markt frei gehalten werden, sodass ich meine Maschine ziemlich abseits parkieren muss.

Samstag

Richtung Alpen

Markt in Callas. Der kleine Platz vor dem Hotel ist vollgestopft mit Marktständen. Jeder Quadratzentimeter ist ausgenutzt. Gut, habe ich mein Motorrad abseits geparkt. Der Markt ist zwar klein, bietet aber eine Fülle verschiedener Waren. Da gibt es Backwaren, Käse, Wurst, Eingelegtes aller Art, Gemüse, Früchte, Hüte, Oberkleidung, Unterwäsche und einiges mehr.

Ich beobachte das geschäftige Treiben bei einer Tasse Kaffe. Schliesslich wird es Zeit aufzubrechen. Ich kaufe mir noch "was Süssiges" am Brotstand und mache mich dann auf den Weg. Im Zick-Zack geht es nordwestlich bis zur Route Napoleon, der ich dann für eine Weile Richtung süd folge. Auf dem Pas de la Faye verdrücke ich meine Süssspeise bei einem Café vom Kiosk. Weiter Richtung Nizza, auf der Schnellstrasse hindurch.

Auch Monacco lasse ich rechts liegen unf folge der Küstenstrasse bis Menton. Von hier will ich schliesslich die Alpen in Angriff nehmen. Vorerst will ich über den Turini. Wenige Kilometer nach Sospel werde ich aber jäh gebremst. Strasse gesperrt. Umleitung keine. Meine Karte zeigt mir eine Möglichkeit, über den Col de Maus zum Turini zu kommen. Grösstenteils eine Strasse von fragwürdiger Qualität. Schlaglöcher wechseln sich ab mit Flicken. Trotzdem komme ich irgendwann auf dem Turini an. Beim Kaffe erfahre ich, dass die Strasse, die mich wieder runter führen soll, teilweise frisch gesplittet ist. Da kommt nicht viel Fahrfreude auf, sodass der ganze Turini dieses Mal ein wenig ein Reinfall ist. Um ca. fünf Uhr erreiche ich und der Regen Roquebillière. Dies, also der Regen, und die Tatsache, dass ich gleich ein Hotel erblicke, veranlsst mich, hier zu übernachten. Während ich dusche hört der Regen schon wieder auf und der Himmel klart auf. Ein gutes Zeichen für morgen?

Sonntag

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unerwartete Begegnung

/body> Es ist Sonntag un der macht seinem Namen alle Ehre. Stahlblauer Himmel und kein Wölkchen am Himmel. Ich beschliesse, statt der vorgesehenen eher niederen Pässe eher Höhere anzufahren. Wer weiss, wie lange das Wetter hält. über den Col St. Martin gelamge ich nach St. Etienne, wo ich eine Pause einlege auf dem wunderschönen Dorfplatz.

Dann ist es Zeit für den Col de la Bonnette. Superfahrt auf einen der höchsten. Und seine Zusatzschlaufe um den Cime de la Bonnete stellt sogar die höchst gelegene, Asphaltierte Strasse Europas dar. Die ist zwar gesperrt, aber eigentlich kümmert sich niemand (mit 2 Rädern) drum. für Vierräder ist kein durchkommen. Kaum am höchsten Punkt angekommen, werde ich auch schon von einem RFHS-ler angesprochen. Auch Gerhard ist in den frantösischem Alpen unterwegs. Wir plaudern ein wenig, bevor er sich mit Ziel "süd" auf den Weg macht.

Ich gönne mir noch eine Zigarette, fungiere noch als Fotofraf für eine Radfahrergruppe für ein bzw. mehrere Gruppenfotos, bevor ich mich dann selbst auf den Weg mache. In flotter Fahrt geht es den Bonnette runter und noch bevor ich unten ankomme, überhole ich Gerhard. Anscheinend will er nicht auf direktem Weg nach süden. Mich zieht es zum Col de la Cayolle, den ich nur bei schlechtem Wetter kenne. Spektakulär schon die Fahrt durch die Schlucht (Gorges du Bachelard) zu Beginn der Passstrecke.

Weiter oben, im Naturschutzgebiet wetteifern unzählige Blumen in allen Farben um die Gunst der Bienen.

Einfach eine Pracht, diese Alpenwelt. Obwohl ich erst gerade eine Pause in Barcelonette gemacht habe, lege ich schon wieder eine ein. Einfuch zu schön hier, um nur durchzufahren. Schliesslich geht es weiter über St. Martin, wo ich im gleichen Café wie letztes Mal etwas esse, Richtung Gorges de Daluis. Ein weiteres Highlight für Auge und Fahrer. Mit interessanter Strassenführung. Oft führt die bergseitige Spur durch Tunnels, die talseitige aber "drum herum".

Da heist es natürlich aufpassen. . . . Auf dem Bild kann man knapp das blaue Schild erkennen, das die Talseite zur Umfahrung des Felsen auffordert. Dann noch über den Col de la Colle ins Tal der Allos, von wo ich den Col d Allos anpeile. Meine Fahrt das Tal hinauf wird allerdings jäh gebremst. Nicht von einer Sperre oder Umleitung, sondern von unzähligen Schafen, Ziege, Pferden,

Maultieren, Hirtenhunden. Ein absolutes Tohouwabohou. Viecher überall. Irgendwie schaffen es die Hirten und Hunde, den Viehtrieb über längere Zeit auf der rechten Strassenseite zu halten, sodass ich vorbei fahren kann. Auf dem Col d Allos beziehe ich Lager in der Auberge. Der Tag war lang und ziemlich warm. Da kommt eine Erfrischung zum Feierabend gerade recht


Die Herberge ist einfach, nur mit Strom während des Tages (Generator), Massenlager, offenes Feuer, Kerzenlicht im "Speisesaal", gerade mal ein Menue. Mit einer Supersuppe als Entré.

Montag

hoch hinaus

Frühstück in der Morgensonne auf über 2000m Höhe - einfach ein Genuss. Und kein Baquette sonder "richtiges" Brot. Eine sehr geschätzte Abwechslung. Doch irgendwann verlasse ich den Allos und mache mich auf nach Norden. Als Erstes will ich über den Col de Var. Als ich gegen 11 Uhr am Passfuss ankomme, ist die Strasse gesperrt. Den ganzen Tag ausser von 12 bis 13 Uhr (wohl die Mittagspause der Bauarbeiter). Ich fahre zurück und ein Stück den Col de Larche hinauf bis zum ersten Café. Hier warte ich bei Espresso und Espresso bis gegen Mittag. Als ich zur Strassensperre zurück komme, wartet dort schon eine lange Autokollonne. Ich fahre vorbei und stelle mich zuvorderst auf. Nach einer Zigarette wird die Sperre geöffnet und ich kann ungehindert Gas geben. Nichts und niemand im Wege. Die Kollonne verschwindet schnell im rückspiegel. Was für eine Freude, vor allem auch, weil von den Bauarbeiten fast nichts zu spüren ist. Oben mache ich keinen Halt, da ich eben erst eine lange Pause hatte. Und schon geht's auf zum Col d' Agnel. Auf über 2700m.

Es liegt sogar noch etwas Schnee. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit fahre ich die selbe Seite hinunter. In diesem schönen Tal, wo der Tourismus noch sanft ist (vor allem für frantösische Verhältnisse),

Interesant die Kirche, die mehr Festung denn Kirche zu sein scheint. Quasi "ein Feste Burg . . .". über den Izoard fahre ich dann noch nach Briançon und in das Vallée de la Clarée. Dort finde ich erst nach einigen Fehlschlägen ein Hotel. Leider etwas teuer, aber ich habe keine Lust, weiter zu suchen. Dafür schmeckt dann das belgische Bier sehr gut.

Dienstag

Klassiker

über den kleinen Col de l' Echelle fahre ich für einen kurzen Abstecher nach Italien. Die Fahrt dorthin ist kürzer als erwartet. Hätte ich am Vorabend vielleicht doch weiter fahren sollen? Sei's drum. schön ist die Fahrt auf jeden Fall.

Aber kaum drüben geht es über den Col de Montgenère zurück nach Briançon. Via Col de Lautaret fahre ich hinauf zum Col du Galibier. Den kann man nicht genug befahren. Einfach ein Traum. Nur die Fotografen stehen im Weg. Und auf die talwärts fahrenden Gümmeler muss man besonders aufpassen. Rechtsverkehr scheint nicht allen geläufig zu sein. Nach dem Col du Télégraphe, um den man beim Galibier nicht herum kommt, richte ich meine Fahrt zum Col de la Croix de Fer aus. Den habe ich mal kurz vom Glandon aus angefhren, aber noch nie von Osten her bzw. überquert. Eine Umleitung bringt mir noch den Col de Mollard ein, da die direkte Strasse gesperrt ist. Auf dem Croix de Fer wimmelt es von Radfahrern, die Wirtin ist total überfordert, sodass ich bald ohne zu Essen weiter fahre.

über den Glandon fahre wieder talwärts. Dabei komme ich auf geschätzten 1500m wiederum an dem Fussballfeld vorbei, das ich schon bei meiner Pyrenäentour 2007 erwähnt habe. Diesmal gibt's ein Foto davon.

Mit leichtem Hunger komme ich im Tal an und entschliesse mich, dem auf dem Col de la Madeleine Abhilfe zu schaffen. Am Madeleine hat es fast keinen Verkehr. In Null Komma Nix bin ich oben und geniesse dort die wohlverdiente Cola und einen heissen, caramelisierten Apgelkuchen (Tarte Tatin). Sehr süss, aber sehr gut. Auch die Fahrt hinunter ist eine Freude, anders als die Strecke auf der Schnellstrasse nach Bourg St. Maurice. Dort setzt auch leichter Regen ein, was mich aber nicht davon abhält, gemütlich den Cormet de Roseland hinauf zu fahren. Landschaftlich einer der schönsten. Bei dieser Fahrt ist besondere Vorsicht geboten: nasse Strasse, teilweise Grünzeug darauf, weiter oben Kuhdreck und meine Pneus haben den legalen Status, was das Profil betrifft, hinter sich gelassen. Vor allem die Seiten haben gelitten. Am Stausee des Roseland mache ich der heutigen Fahrt ein Ende und steige im dortigen Hotel ab. War ein langer Tag mit einigem an Pässen. Morgen geht es Richtung Heimat. Es wird Zeit; mein Notizbuch hat nur noch drei leere Seiten.

Mittwoch

heimwärts

Das Frühstück geniesse ich zusammen mit dem deutschen Radfahrer, mit dem ich auch den Vorabend verbracht habe. Er ist seit sechs Wochen unterwegs und hat einiges zu erzählen. Aber gemeinsam weiterfahren scheitert an den unterschiedlichen Fahrzeugen, obwohl er in die gleiche Richtung will. Via Beaufort und St. Gervais bin ich schon bald bei Chamonix-Mont-Blanc. Wie immer hektisches Treiben hier. Nur einen kleinen Sprutz Benzin muss ich noch zutanken, damit es bis zur nächsten, günstigen CH-Säule reicht. Schon bald überquere ich die Grenze zur Schweiz. Statt wie sonst direkt über den Forclaz nach Martigny zu fahren, mache ich noch einen Abstecher hinauf zum Stausee Emosson auf beinah 2000m Höhe. Hier gibt's ein kleines Mittagessen und eine tolle, wenn nicht die beste, Aussicht auf das Mont Blanc Massiv.

Die Strasse hier hinauf ist zwar teilweise schmal, aber in bestem Zustand. Lohnt sich auf jeden Fall, schon alleine der Aussicht wegen. Die Grösse des Restaurants lässt jedoch darauf schliessen, dass es auch sehr belebt, um nicht zu sagen überrannt, sein kann (Sonntags?). Wie dem auch sei, meine Käseschnitte war sehr gut (gibt's in gross und klein und die Kleine hat mir gereicht). Danach also wieder zurück ins Tal und doch noch über den Forclaz. In Martigny tanke ich auf und mache mich über die Autobahn auf dem schnellsten Weg Richtung Heimat. Ich komme zügig voran bis in die Region Bern, wo baustellenbedingt Stau herrscht, mache kurz danach eine kurze Pause und bin um 17 Uhr schliesslich zuhause. Nach 3857km Fahrt. Als erstes bestelle ich Pneus bei meinem Händler. Es ist bitternötig.